Geschichte unserer Dorfkirche:

41200 erwarb Graf Wilhelm von Jülich Besitz in Bürvenich, der durch den Kölner Erzbischof bestätigt wurde. Bei der bestehenden Kirche, Patrozinium Stephani Auffindung wurde ein Jülichsches Hauskloster gegründet, das erstmals 1230 urkundlich erwähnt wird. Noch 1663 wurde im Kloster Bürvenich das Fest der angeblichen Stifterin, der ehrwürdigen Elisabeth, Gräfin von Jülich, am 14.November begangen. Gewisse Parallelen gibt es zum benachbarten Zisterzienserinnenkloster Hoven. Im 15.Jh. bestand das Kloster meistens aus sechs bis zehn Chorschwestern. 1803, im Jahr der Aufhebung, waren es acht. Spätestens seit 1491 waren Heisterbacher Mönche Prioren und Beichtväter des Klostes Bürvenich. Die Nonnen rekrutierten sich aus der Umgebung Zülpichs, die Äbtissinnen entstammten dem Landadel. Nachdem 1673 der Klosterhof durch französiche Soldaten eingeäschert worden war, erfolgte Mitte des 18.Jhs. ein barocker Neubau, der im äußeren 4Erscheinungsbild heute noch erhalten ist. 1795 verfügte die französiche Verwaltung die Inventarisierung zwecks Aufhebung. 1808 verkaufte die Regierung den Klosterhof, die Kirche wurde Pfarrkirche, ein Teil des Klosters dient seither als Pastorat, ein anderer wurde Schulhaus, das in jüngster Zeit an Privat veräußert wurde. Der Ortsteil der einschiffigen Kirche mit hochragender steingewölbter Rundapsis aus der 1.Hälfte des 13. Jhs. ist ein ungegliederter Bruchsteinbau mit Schmiegensockel. Die Saalkirche hat einen quaratischen Westturm und ist an der Nordseite völlig fensterlos, da hier die Klausur lag. Nach Beschädigung gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Kirche renoviert. Seit 1985 4besteht eine Verbindung der 
Pfarrgemeinde zur Zisterzienserabtei Schlierbach in Oberösterreich nebst Unterstützung der Missionsarbeit der Zisterzienserabtei Jequitibá in Brasilien. Die vormalige Aufgabe der klösterlichen Gemeinschaft wird von der Pfarrgemeinde aufgegriffen durch tägliche Abhaltung einer Hore des Chorgebetes in Verbindung mit den Gottesdiensten.

Bericht: Herrn Pastor Bartels

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Das Kirchengebäude
Die Pfarrkirche aus dem Jahre 1260 ist ein einschiffiger verputzter romanischer Bau aus Bruchstein. Der größere Teil der Kirche war früher für die Pfarrgemeinde, der kleinere für die Nonnen bestimmt. Vom Hochaltar bis zum Triumphbogen erstreckte sich die Klosterkirche, vom Triumphbogen bis zum Turm der Pfarrkirche.
Der lange Chor mit der Apsis gehört noch dem 12. bis 13. Jahrhundert an, das Schiff und die jetzt vom Turm verdeckte Westfassade sind im Anschluß an den großen Brand von 1448 entstanden. 1654 bauten die Einwohner des Ortes den verfallenen Turm wieder auf, das Schiff erhielt das heute noch vorhandene Spiegelgewölbe. Nach 1803 fertigte man für den Chor ein neues hölzernes Tonnengewölbe an. 1838 wurden der Nonnenchor und der Raum für die Pfarrgemeinde zu einem Kirchenraum vereinigt. 

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.....................................................Grundriss der Pfarrkirche

Halbrundapsis, Spiegelgewölbe, fensterlose Nordwand mit Resten romanischer und neuzeitlicher Fenster unter Putz, quadratischer Westturm, an der Chornordwand ein Sakramentshäuschen von 1453, Ahnenwappen der Äbtissin Johanna von Berg-Blens (Amtszeit von 1440 bis nach 1450).
Südseite mit erneuerten Maßwerkfenstern des 15.Jahrhunderts und kurzem Strebepfeiler in der Wandmitte, in der nördlichen Außenwand ein mächtiger Strebepfeiler des 19. Jahrhunderts und ein Eckstrebepfeiler in der Turmnähe. Die Saalkirche ist 36 m lang und 9,20 m breit. 

Bericht: Hans Peter Schiffer (Kirchen und Kapellen im Stadtgebiet Zülpich)
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Pietta, da die Kreuzabnahme am Nachmittag zur Zeit der 
Vesper stattfand, wird die Pieta im deutschen Sprach-
gebiet auch Vesperbild genannt.


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Der Send als geistliches Gericht 
Gemäß einer Urkunde wurde bereits im Jahre 1559 in der Bürvenicher Pfarrkirche der Send gehalten. Die pflichttreuen Schöffen des Gerichtes vom Jahre 1756 sagten aus:
Der Gottesdienst wird regelmäßig besucht, aber die Eltern schicken ihre Kinder und Dienstboten nachlässig zur Katechese.
Der Visitator drohte daraufhin für die Vernachlässigung der religiösen Unterweisung sowie auch für das Hüten des Viehs während des Sonntagsgottesdienstes eine Strafe von 1/4 Pfund Wachs an.

Fragen nach Gottesdienst und Seelsorge
 
Die Visitationen und der Send dienten der Bestandsaufnahme über alles, was mit der Ortskirche zu tun hatte. Es wurden Aussagen gemacht über die Ausstattung der Pfarrkirche, über Baupflicht, der Kirchhof, die Spendung der Sakramente, den Zehnten und die Lebensweise der Pfarrangehörigen sowie des Pfarrers.
Der Vistitator fragte den Pfarrer, ob er auch ein dreiteiliges Buch führe mit den Namen der getauften Kinder, der Eheleute und der Verstorbenen. Eine von den 33 Fragen an die Schöffen lautete: 
Ob jemand da ist, der Vater und Mutter Unehre angetan habe in Wort oder Werk?
Die stets wiederkehrenden wichtigsten Themen beim Send waren die Besorgung des Gottesdienstes und die Pflege der Seelsorge.

Brand und Plünderung 
Während des französisch-holländischen Krieges hausten im März 1673 rund 1800 französiche Truppen drei Nächte lang in Bürvenich, später äscherten sie das Dorf Bürvenich ein. Die Klosterkirche wurde geplündert, alle Kelche und alle Altartücher nahmen die Soldaten als Beutegut mit.
Die Zehntscheune des Klosters mit mehreren Tausend Zehntgarben sowie alles Heu und Stroh wurden ein Raub der Flammen. 

Bericht: Hans Peter Schiffer (Kirchen und Kapellen im Stadtgebiet Zülpich)
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4Ein kleiner Wegweiser durch die katholische Pfarrkirche 'Stephani Auffindung' in Bürvenich bei Zülpich mit dem spätgotischen Schnitzaltar und anderen Kunstwerken. 

Die Kirche, einst Klosterkirche des Zisterzienserinnenklosters 'St. Maria zum Tale' beherbergt ein Meisterwerk aus dem Jahre 1520, das hier auf den Projektseiten vorgestellt wird.

Die Schrift kann in der Kirche zum Preis von 3,- Euro erworben werden.




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Der spätgotische Schnitzaltar:

Wer die Pfarrkirche des Dorfes Bürvenich durch das am westlichen Ende der Südseite sich öffnende Portal betritt, blickt staunend und überrascht durch das langgestreckte Kirchenschiff zur östlichen Apsis auf das dort in Gold und schönen Farben prangende Gebilde des Hochaltares. 
Ein gotischer Flügelaltar von etwa 1520, er wurde nach längerer Restaurierung kurz vor Weihnachten 1999 wieder an seinem Platz aufgestellt.

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Mit reichlich Gold und zarter Farbabtönung sind die zahlreichen geschnitzten Figuren des mittleren Kastens gefaßt. Die breit ausladenden Flügel zu beiden Seiten zeigen Tafelbilder in schönen klaren Farben, ebenso in der Mitte unter dem Kasten die Predella. 
Durch den langen Mittelgang nähert man sich dem kostbaren Gebilde, versucht die vielen Figuren der volkreichen Szenen zu erkennen. Die überhöhte Darstellung der Kreuzigung Christi oben im Mittelfeld sticht klar hervor, und dann gewahrt man auch links und rechts daneben die Kreuztragung und die Kreuzabnahme. 
Bei den fünf kleineren Szenen darunter muß man länger und genauer schauen, um die Ereignisse aus dem Leben der Gottesmutter zu erkennen.

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Wer daran gedacht hatte, sich ein Opernglas oder einen kleinen Feldstecher mitzubringen, kann sich nun nach chronologischer Ordnung orientieren und die dargestellten Szenen wie eine Bibel lesen. Es beginnt unten links im mittleren Kasten mit den geschnitzten Figuren. 
Da grüßt in der „Verkündigung" der Engel die an ihrem Betpult kniende Gottesmutter. Daneben begegnen sich in der „Heimsuchung" die beiden schwangeren Frauen Maria und Elisabeth. Die sowohl in Breite als auch Höhe betonte Mittelszene zeigt die Krippe von Bethlehem. 
Danach folgt die „Beschneidung" des neugeborenen Kindes und ganz rechts die Darstellung im Tempel.

Es folgen nun die Szenen aus der Passion Christi. Ganz links beginnt diese auf dem äußeren gemalten Flügel, wir sehen die Gefangennahme am Ölberg vor einer Felsenkulisse mit Wald und Aussicht auf eine Landschaft. Im Vordergrund wird Jesus gerade gefesselt, während Petrus sein Schwert erhoben hat, um dem Knecht Malchus das Ohr abzuschlagen. 
Der Maler zeigt diese Szene taghell, aber er wußte ja, daß sie im abendlichen Dunkel geschah, deshalb trägt jemand eine hocherhobene Fackel in Form eines Kohlebeckens.

Die zweite Tafel zeigt daneben Jesus vor Gericht, im Hintergrund wäscht Pilatus gerade seine Hände in Unschuld. Und darauf folgt die erste große Szene im geschnitzten Kasten, die Kreuztragung.


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Ganz vorne kniet Veronika und reicht gerade das Schweißtuch. Im Mittelfeld folgt sodann die Hauptszene, die Kreuzigung. Hoch ragen drei Kreuze auf, darunter gleich drei Berittene, vor ihnen fünf kleinere Soldaten, zwei scheinen sich um eines der Kleidungsstücke Christi zu streiten. 

Darunter stehen mit dem Rücken zum Betrachter weitere - zivile - Zuschauer, ganz links glaubt man Johannes zu erkennen, der die Gottesmutter stützt, und die reichgekleidete Frau neben Maria könnte dann Maria Magdalena sein, die sich ihr tröstend zuwendet. Daneben zwei weitere Figuren, und nur angedeutet im Hintergrund weitere Personen in perspektivischer Verkleinerung. 

Sicher nicht nur zufällig stehen Geburt und Tod Jesu genau zentral übereinander im Mittelfeld. Auch seitlich neben und hinter den drei Kreuzen sind noch Personen angedeutet. Über dem linken Schächer schwebt ein Engel, der bringt dessen Seele in Gestalt einer Kerze gen Himmel, während rechts ein Teufel sich die Seele des unbußfertigen anderen Schächers gepackt hat.

Einen Teil der Personen sehen wir wieder in der Kreuzabnahme rechts, Johannes und Maria beisammen getreu der in der Bibel überlieferten Anweisung Jesu. Wir erkennen dann rechts daneben auf den beiden Tafeln des Flügels die Grablegung und die Auferstehung. Beide Tafelbilder zeigen hinter den groß gemalten Szenen Ausblicke in die Landschaft, die drei leeren Kreuze kennzeichnen die Schädelstätte in der Ferne über der Grabstelle.

Auch die kleinen Flügel ganz oben, die nur den überhöhten Teil des Mittelkastens zudecken können, ordnen sich in dieses Leidensgeschehen ein. Links sehen wir in der Ecce-Homo-Szene den dornengekrönten Christus, der von Pilatus dem Volk vorgeführt und von den unten stehenden Personen verspottet wird. Der entsprechende kleine Flügel rechts zeigt den Auferstandenen, der sich seiner im Gebet versunkenen Mutter zeigt.

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Weitere sehr kleine Szenen aus der Passion sind in den Randkehlen der drei großen geschnitzten Kastenszenen angebracht und kaum zu erkennen: Abendmahl, Ölberggebet, Geißelung, Emmausgang, der ungläubige Thomas und Himmelfahrt.

Während der liturgischen Bußzeiten Advent und Fastenzeit werden die Flügel geschlossen, dann präsentiert sich der Altar zwar schmaler, aber nicht minder prächtig und schön. Die beiden Tafeln, die sich in der Mitte treffen, bilden zusammen ein großes Bild mit der Darstellung der Gregorsmesse. Wir sehen links den Papst Gregor den Großen bei der Feier des Meßopfers.


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Ihm erscheint Christus, seine Wunden zeigend, umgeben von allen Leidenswerkzeugen. Die andächtigen Assistenzfiguren geben ein schönes Bild, wie die Liturgie damals gefeiert wurde und 4wie die liturgischen Gewänder aussahen. Die beiden Außenflügel schildern Begebenheiten aus dem Alten Testament, die als Vorbilder für die Eucharistie gesehen werden. Links die Begegnung von Abraham und Melchisedek, rechts die Mannalese.

Die gemalte Predella unter dem Mittelkasten wurde in der 2. Hälfte des 19. Jh. ergänzt nach mittelalterlichen Vorbildern und zeigt Jesus als Schmerzensikone im Purpurmantel zwischen Maria und Johannes.

Wer diesen wunderschönen Altar sehen möchte, wird die Pfarrkirche Stephani Auffindung von Zülpich-Bürvenich zu normalen Tageszeiten offen finden, freilich kann er nur bis zum Beginn des langen Chores gehen. 

Da ist also eine Sehhilfe schon angebracht. 

Wer Glück hat und Pfarrer oder Küsterin anwesend trifft, wird auch Zugang zum Chor bis unmittelbar vor den Flügelaltar bekommen, kann dann sogar trotz der geöffneten Flügel auch die Tafeln der Fastenseite betrachten. Außerdem wird eine Schrift angeboten, die eine ausführliche Beschreibung des Altares und seiner Geschichte mit einer künstlerischen Würdigung enthält, dazu aber auch weitere Erklärungen zu anderen Kunstwerken in dieser Kirche sowie einen Überblick über die Geschichte des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Bürvenich.

Bericht: Othmar Rahm
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Zur Geschichte der Orgel 
1867 erhielt die Pfarrkirche eine Orgel. Die 1871 erfolgte "Bescheinigung des Abschlusses der Orgelarbeiten" berichtet über das vorzügliche Material dieser Orgel und über die ausgezeichnete Arbeit des Kölner Orgelbauers Franz Wilhelm Sonreck (1822-1900).4

Das Orgelgehäuse und die Emporenbrüstung bestanden aus Eiche. Für die im Ersten Weltkrieg beschlagnahmten Prospektpfeifen aus Zinn mußte 1923 Ersatz beschaffen werden. Der Orgelbauer Joseph Breuer aus Zülpich lieferte neue Zinnpfeifen und erhielt neben Geld auch zwei Zentner Weizen als Honorar. Die Orgel verfügt über 24 Register, die aus Zinn, Holz und Metall bestehen. 1958 hat die Orgelbauwerkstatt Josef Weinbs aus Hellenthal des historischen Bestand der Orgel gesichert. Eine weitere Restaurierung des Instumentes erfolgte 1993 wiederum durch die Firma Weimbs. Der für eine Orgel aus dem 19. Jahrhundert unpassende Farbanstrich wurde entfernt, so daß das Holz des neugotischen Prospektes wieder sichtbar wurde. 
Prospekt, Orgelbrüstung und Kirchenbänke stimmen farblich überein.

Bericht: Hans Peter Schiffer (Kirchen und Kapellen im Stadtgebiet Zülpich)
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Das Bürvenicher Geläut

4Die Marien-Glocke hat den Schlagton ges`, einen Durchmesser von 116cm und ein Gewicht von 950 kg. Die Inschrift lautet:

Maria Heissen ich all bedroeffde Hertzen troesten ich die Anroiffen minen Namen Sullen sich vvr tem Gericht Gotz niet schamen 1549
" Maria heiße ich, alle betrübten Herzen tröste ich. Die meinen Namen anrufen sollen sich vor dem Gericht Gottes nicht schämen."

Das 1663 von Cort van Stommel umgegossene Messglöckchen hat den Schlagton a", einen Durchmesser von 48cm, ein Gewicht von 75kg, und ist umschrieben:
S.Maria S.Anna S.Stephanvs S. Bernardvs opn Cordt van Stummel goes Mich. Catharina Bock Priorissa Refvdit Anno 1663

4Die dritte Glocke hat den Schlagton g`, einen Durchmesser von 99cm, ein Gewicht von 500 kg und die Inschrift:
Sancta dei Genitrix Virgo Maria ora pro popvlo in tvo ser Vitio Congregatio p. Legros Fecit
"Heilige Mutter Gottes, Jungfrau Maria, bitte für das zu deinem Dienst versammelte Volk. Peter Legros hat mich gegossen"

Chronogramm geordnet: MDCCLXVVVVIIIIIIII = 1788

Die Stephansglocke hat den Schlagton es`, einen Durchmesser von 125cm und ein Gewicht von 1250 kg, als Inschrift trägt sie den Text: 
Exavdi nos Sancte Stephane Patrone noster et Conserva a Flumine ser Vos tvos Petrvs Legros Fecit
" Erhöre uns, heiliger Stephanus, unser Patron, und bewahre vor dem Blitz deine Diener. Petrus Legros hat mich gegossen"

Chronogramm geordnet: MDCCLXVVVVVII = 1787 

Bericht: Hans Peter Schiffer (Kirchen und Kapellen im Stadtgebiet Zülpich)
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Gesamtanlage des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters 
Bestehend aus Kirche, Äbtissinnenwohnhaus, Pfarrhaus mit Nebengebäude, Friedhof mit Beinhaus und Umfriedungsmauern.

Kath. Pfarrkirche St. Stephan, ehemalige Zisterzienserinnenklosterkirche
12.-Anfang 13. Jh., Umbauten nach Bränden vor 1448 und 1619, Turm der Zeit um 1600 nach Brand 1654 wiederaufgebaut, 1838 Querwand zwischen ehemaligem Nonnenchor und Pfarrkirche beseitigt, 1935 Glockenstuhl und Turmhelm wiederhergestellt, 1948-1953 Restaurierung nach schweren Kriegsschäden um 1945; 1985-1986 Dachreiter erneuert. 

Große, in den Westpartien wohl auf eine Pfarrkirche des 12. Jh. zurückgehende Saalkirche aus Bruchstein mit östlichem ehemaligen Nonnenchor, eingezogener Halbrundapsis aus der 1.H. des 13Jh. und quadratischer Westturm. Südseite mit vollständig erneuerten Maßwerkfenstern des 15. Jh., kurzem Strebepfeiler in der Wandmitte, barockem Portal und neuzeitlichem Sakristeianbau; Nordseite im Chorbereich durch das Pastorat zugesetzt, mächtiger Strebepfeiler des 19. Jh. in der Wandmitte, Eckstrebepfeiler im Westen. Die gesamte Nordwand fensterlos, jedoch Reste romanischer und neuzeitiger Fenster unter Putz erhalten. Dreigeschossiger, quadratisscher Westturm mit sparsamer Durchfensterung. Der gesamte Außenbau verputzt; pyramidaler Turmhelm, Satteldach mit Dachreiter, Dachstuhl der Westpartien mit Originalkonstruktion des 15. und 17. Jh.
Im Inneren Apsis mit leicht gefächerter Kalotte (im 19.Jh. erneuert?), ehemaliger Nonnenchor mit hölzernem Tonnengewölbe und Triumphbogen (nach 1803, 1948-1953 wiederhergestellt); Langhausmauern in den Westpartien ab halber Höhe zurückgestuft; Spiegelgewölbe mit Stichkappen (1654); in der östlichen Turminnenwand Spitzbogenblende; in der Turmmitte mächtige, vierfach verstrebte hölzerne Säule der Barockzeit (1959 wiederhergestellt) als Substruktion des Glockenstuhls. Überwiegend neugotische Ausstattung mit Einzelstücken des 15.-18. Jh., darunter bedeutend vor allem Sakramentshäuschen von 1463 an der Chorwand mit Ahnenwappen der Äbtissin Johanna von Berg-Blens sowie Antwerpener Altar (um 1520).

Ehemaliges Äbtissinnenwohnhaus
Innenschiftlich datiert 1735; nach 1803 teilweise als Schule dienend

Langgestreckter zweigeschossiger Bruchsteinbau von acht Achsen; Segmentbogenfenster in Werksteingewänden, Sprossenteilung noch weitgehend im Zustand des 19. Jh., Hauptportal mit zweiflügeliger Orginaltür in gequaderter Werksteinrahmung mit Oberlicht und Wappentafel; nordwestliche Giebelseite mit einer Fensterachse, südöstliche Giebelseite in vier Achsen; südwestliche Langseite in der Mitte durch das anschließende Pfarrhaus verstellt; die Fensteröffnungen hier größtenteils vermauert, an der Südwestkante Ansatz einer später beschnittenen Fensterachse; originales Krüppelwalmdach.

Inneneinteilung für den Ausbau zur Schule verändert, jedoch noch Details wie Türrahmen und Türblätter des 18. Jh. erhalten, im Flur Reste einer Kaminrahmung mit dem Wappen von Weworden und der Datierung 1635; in einem Erdgeschoßzimmer der südöstlichen Giebelseite noch Deckenstuck des 18. Jh., Mittelflur aufgrund des Schulumbaus um in die Breite des Flurraums nach Westen verlagrt; in einigen Räumen im Obergeschoß ist die Aufteilung noch weitgehend original mit breitem Mitteleingang und davon abgehenden kleineren Räumen, diese überwiegend noch mit alten Türen, und zum Teil unter den aufgehöhten Böden noch die originalen breiten Dielen des 18.Jh.; von der Treppe nur der Zwischenlauf barock,
die anderen Läufe im 19.Jh. erneuert und verschmälert; im Nordwestlichen Teil des Hauses abgetrennte Wohnung mit größtenteils noch alten Holzdielen, teilweise veränderte Raumaufteilung, Türen und Treppen Ende des 19.Jh., in der Substanz guter Zustand, im Detail demoliert; orginaler liegender Dachstuhl mit eingezapften Windrispen.

Friehof 
Großer Friedhof mit umlaufender Bruchsteinmauer, vor allem zur Stephanusstraße stark restauriert mit moderner Abdeckung. In der Friedhofsmauer eingesetzt erheblich verwittertes Sandsteinkreuz des 18. Jh.; in der Westmauer eingesetzt verwitterte Stationstafel des 18. Jh.

Pfarrhaus
Wohl aus der Bauzeit des Äbtissinnenwohnhauses unter Verwendung älterer Teile, 1899 umgebaut.
Zwischen dem Chor der Kirche und dem Äbtissinnenwohnhaus gelegener, verputzter Bruchsteinbau von vier Achsen mit segmentbogigen Rotsteingewänden wie am Äbtissinnenwohnhaus, im Erdgeschoß die originale Vergitterung, im Obergeschoß noch die originalen Sprossenteilungen; auf der Rückseite des hier sechsachsigen Gebäudes im Obergeschoß Inschriftstein der Magdalena Katharina von Dammerscheid, datiert 1767; Türen, Haupttreppe und Erdgeschoßteilung sowie Fußböden überwiegend vo Umbau des späten 19.Jh. stammend, in zwei Räumen des Erdgeschosses noch sparsame barocke Stuckdecken, in einem Raum originaler barocker Wandschrank.
In der Einfahrt Stephanusstr. Nebengebäude aus Bruchstein mit Giebel des späten 19. Jh. aus Backstein; nach Westen rundbogige Türöffnung mit einfachen Kämpferprofilen, in der Westwand eingemauerte Reste eines Wegekreuzes aus dem 18. Jh. mit Engelskopfreliev.
Die Bruchsteinumfasungsmauer des Klosterbezirks im Nordwesten noch mit verschiedenen vermauerten Öffnungen und Gewändestücken - offener Rest eines abgebrochenen Klosterflügels.


Bericht von Dr. Herzog, ( Buch: 9.5 Stadt Zülpich )